Warum ein Praktikum in der Ukraine?

Ich bin jetzt seit einigen Tagen in Lviv. Bevor ich aber anfange über erste Eindrücke und Erfahrungen zu schreiben, möchte ich mir kurz Zeit nehmen die Motivation hinter meinem Praktikum, aber auch einige Erwartungen zu formulieren. Wenn man Ukraine hört, dann hat man erst mal eine stereotype Vorstellung im Kopf, die bestimmt wird durch die eigene historische Prägung sowie dem Medienbild, das vorherrscht; Vorurteile sind vorprogrammiert. In Gesprächen über mein Vorhaben waren daher die Reaktionen durchmischt, einige wussten nicht, dass das Ukrainische eine eigene Sprache ist, andere haben mich vor ukrainischen Nationalist*innen gewarnt. Die Tatsache, dass einer der Hauptursachen für eine Berichterstattung aus der Ukraine der Konflikt im Donbas und die russische Annexion der Krim ist, trägt natürlich seinen Teil dazu bei.

Auch meine eigene Auseinandersetzung mit der Ukraine kann auf die Ereignisse auf dem Euromaidan und was darauf folgte zurückgeführt werden. Zunächst verfolgte ich die Geschehnissen in den Medien; mal bewundernd; mal skeptisch. Erst mit dem Beginn meines Studium in Bremen vor eineinhalb Jahren und der Beschäftigung mit Osteuropa als politischen Raum rückte die Ukraine in mein Bewusstsein als Ort, an dem man politische Transformation „in der Nussschale“ beobachten kann. Dabei versuchte und versuche ich, trotz meiner Sympathien für jene Kräfte in der Ukraine, die ernsthaft eine Demokratisierung der Gesellschaft vorantreiben wollen, nicht parteiisch zu sein. Doch stellte ich schnell fest, dass es relativ schwer ist ein objektives Urteil über die Ukraine zu fällen, wenn man immer durch fremde Brillen blickt. Nicht zuletzt deshalb, weil lange vor alternative facts das Konzept der Dezinformatsiya einen dichten Nebel über die Ereignisse auf der Krim und in der Ostukraine legte. Doch auch von pro-ukrainischer Seite wurde der Medienkrieg geführt. Die Gelegen, sich ein direktes Bild von der Ukraine zu machen, nahm ich daher natürlich nur zu gerne an.

Die Arbeit von KrimSOS war jedoch genauso ausschlaggebend das Praktikum anzutreten. Meine eigene Erfahrung in der sozialen Arbeit sensibilisierte mich für Themen wie Inklusive und Teilhabe und ich konnte mir relativ schnell Probleme und Herausforderung der Organisation vorstellen. Die Arbeit einer NGO, die sich um die Bedürfnisse von Geflüchteten in einem von Krisen und Krieg gezeichneten Land kümmert, ist nicht zu unterschätzen und ich war froh, dass mir das Praktikum die Möglichkeit gibt eine Einblick in diesen Bereich zu werfen.

Natürlich hoffe ich, dass das Praktikum und die kommenden zweieinhalb Monate in Lviv meinen Blick auf die Ukraine schärfen und mir auch eine Vorstellung darüber vermitteln, wie humanitäre Hilfsarbeit aussieht. Jedoch hoffe ich auch, dass meine Kolleg*innen von KrimSOS einen Mehrwert von meinen Aufenthalt in Lviv haben.

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