Ostern in der Ukraine – Великдень в Україні

Der Aufenthalt in der Ukraine ist nicht nur eine politische Annäherung an das Land, sondern auch eine kulturelle. Während in Deutschland Ostern zwar als Familientag gilt und oft der einzige Anlass im Jahr ist in die Kirche zu gehen, so hat das Fest einen anderen Stellenwert in der Ukraine. Speziell im westlichen und sehr durch Traditionen geprägten Lwiw ist das lange Osterwochenende eine Attraktion für sich.

Bereits unter der Woche wird auf dem zentralen Prospekt Svobody ein Ostermarkt aufgebaut, der sich nicht wesentlich von Märkten in Deutschland unterscheidet. Es gibt Essen, Spielsachen und Geschenke zu erwerben, kleine Schaustellungen und Kleintiere. Ausgeprägter als in Deutschland ist hingegen die Tradition des Bemalens von Ostereiern (Pysanka), die einen zentralen Stellenwert einnimmt, sehr kunstvoll ist und teilweise gigantische Ausmaße annimmt. Sie sind auch Bestandteil des Osterkorbs, der mit den während der „Großen Fastenzeit“ verbotenen Speisen gefüllt und am Samstag vor Ostern in der Kirche geweiht wird.

Die vielen Kirchen der Stadt haben am Wochenende Hochbetrieb und sind 24 Stunden voll mit Menschen. Auch wenn die Innenstadt weiterhin touristisch geprägt ist, so merkt man doch die Einschränkungen in der Öffnungszeiten. Das Tanzverbot wird mehr oder weniger strickt umgesetzt und es sind deutlich weniger Ukrainer*innen unterwegs als Ausländer*innen. Andere Orte, wie zum Beispiel dem Volkskundepark „Shevchenko Hai“ ist während des gesamten Wochenendes Anlaufpunkt für Volkstumsbegeisterte. Hier treten Gruppen in traditionellen Kostümen auf, es gibt traditionelle Kinderspiele und es wird gesungen, getanzt und gegessen. Das ist vor allem mit dem Hintergrund der alten ukrainischen Bauernhäuser und eines herrlichen Aprilwetters wirklich ein angenehmer Zeitvertreib.

Wie bereits geschrieben, ist die Bevölkerung der Westukraine sehr traditionsverbunden und Menschen lieben es ukrainische Feste zu feiern; und Ostern ist das traditionellste davon. In der ganzen Stadt kann man Menschen mit Trachten und ukrainischen Blusen sehen. Selbst am Sonntag Abend, wenn man wieder Tanzen gehen kann, hat die Mehrzahl der Ukrainer*innen auf der Tanzfläche ihre volkstümliche Kleidung an. Auch etwas gewöhnungsbedürftig ist der Oblyvanyi ponedilok (nasser Montag), bei dem traditionell am Ostermontag Jungs Mädchen mit Wasser bespritzen. Selbst wenn der Brauch offiziell heute nur noch auf den Rynok Platz ausgeführt wird, so sieht man in der ganzen Stadt Pfützen und viele Frauen machen einen Bogen um das Stadtzentrum.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s