Mit dem Zug durch die Ukraine

„ It seems to me that the further East you go the more unpunctual are the trains.“

Bram Stoker, „Dracula.“

Auch wenn man über ukrainische Zuge nicht sagen kann, dass sie unpünktlich seien, so ist eine Zugreise in der Ukraine ein bisschen abenteuerlich. Natürlich gibt es mittlerweile hochmoderne Zugverbindungen, die mit XXL-Sitzen, Fernseher und Wifi locken, doch sind das die Ausnahmen. Die meisten Züge sind langsam und halten bei jeder (un)möglichen Gelegenheit. Im Durchschnitt brauchen die Züge für eine Strecke von 250 Km 5,5 Stunden.

Was womöglich die größte Umstellung ist, ist, dass es sich um Schlafwägen handelt. Man hat also keinen Sitzplatz gebucht, sondern eine Liege in einer der drei Klassen. Während es in der ersten Klasse nur zwei Liegen pro Kabine gibt und man, wenn man zu zweit reist, automatisch unter sich ist, muss man sich in der zweiten Klasse entscheiden, ob man eine Hochliege oder eine Standardliege haben möchte. Nur in der dritten Klasse ist das Kabinensystem aufgehoben und dafür gibt es noch Sitze auf dem Gang.

Bereits die Länge der Züge verrät ein bisschen über deren Stellenwert als Transportmittel. Es kommt nicht selten vor, dass es 12 bis 15 Wagons sind, die sich quer durchs Land bewegen. Was zum einen an den relativ günstigen Preisen liegt (Lwiw-Odesa ca. 10€ in der 2. Klasse/ Lwiw-Kyiw ca. 13€ in der 1. Klasse) und zum anderen an den schlechten Straßen, die eine Autofahrt auf dem Land sehr kompliziert macht.

Die Tickets kann man entweder im Bahnhof oder im Internet erwerben. Die im Internet erworbenen Tickets müssen jedoch häufig am Bahnhof ausgedruckt werden, weil es keine Lesegeräte für Onlinetickets gibt. Natürlich sind die modernen Züge auch hier eine Ausnahme.

Im Liegewagen selbst ist es heiß; sehr, sehr heiß. Man bekommt frisches Bettzeug und ein Handtuch von der Zugbekleidung ausgehändigt und man macht in der Regel sein Bett und legt sich sofort hin, schier um sich möglichst wenig bewegen zu müssen, um nicht noch mehr zu schwitzen. Das Gebäck kommt entweder unter die Standardliege oder in ein Fach über der Hochliege. Man kann bereits vorweg Tee und Kaffee auf sein Ticket buchen oder auch bei dem*der Schaffner*in erwerben. In manchen Zügen hat man auch die Möglichkeit heißes Wasser aus einem Samowar zu nehmen.

Vielleicht ist es nicht die bequemste Art zu reisen, doch man kann ein gutes Stück der ukrainischen Landschaft sehen (natürlich nicht in der Nacht) und man bekommt ein gutes Gefühl für die Mentalität eines Landes, wenn man 12 Stunden mit drei Fremden in einer Kabine verbringt. Vor allem hinsichtlich der schrittweisen Modernisierung des Landes muss man die Gelegenheit nutzen diese Verkehrsform zu gebrauchen, wer weiß, ob es sie in dieser Form in 10 Jahren hier noch geben wird.

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