Aktuelle Debatten in der Ukraine

Da mein Aufenthalt in der Ukraine nicht nur ein Praktikum, sondern auch ein tieferes Auseinandersetzen mit der Ukraine als politischer und sozio-kulturellen Raum sein soll, stand und steht fĂŒr mich ein Einlesen in die aktuellen Diskussionen der Ukraine auf den Plan. NatĂŒrlich wunder es nicht, dass der Konflikt im Osten der Ukraine die politische Debatten ĂŒberlagert und wichtiger Bestandteil des Selbstbildes vieler Ukrainer*innen ist.

Handeln mit dem Donbas

Die Gebiete im Osten der Ukraine, industrielles HerzstĂŒck erst der Sowjetunion, dann der der unabhĂ€ngigen Ukraine, sind durch den Krieg schwer gezeichnet. SchĂ€tzungsweise leben dort noch drei Millionen Menschen, 1,3 Millionen davon haben keinen oder nur wenig Zugang zu Wasser, die Infrastruktur ist weitgehend zerstört, Schulen und KrankenhĂ€user sind zu KampfschauplĂ€tzen geworden. Das Andauern der Kriegshandlungen verunmöglicht nicht nur den Wiederaufbau, sondern beeintrĂ€chtigt erheblich den Arbeit von humanitĂ€ren Helfer*innen. Dabei fĂŒhlen sich die Menschen im Donbas von der ukrainischen Regierung verlassen und geben den ukrainischen Soldaten die Schuld an der Zerstörung.

Doch trotz der verehrenden Zerstörung lÀuft die Wirtschaft im Donbas vergleichsweise gut. Weiterlesen

Wahlrecht fĂŒr IDPs

Das Wahlrecht ist eins der grundlegenden Menschenrechten, das BĂŒrger*innen die Teilnahme am politischen Willensbildungsprozess ermöglicht. In Deutschland ist es fĂŒr viele so selbstverstĂ€ndlich, dass sie nicht einmal gebrauch davon machen. Vielen der rund 40 Millionen BinnengeflĂŒchteten (internally displaced people/IDPs) weltweit ist der Zugang zu Wahlen hingegen verwehrt. IDPs sind nicht im strengen Sinne GeflĂŒchtete, weil sie keine Grenze ĂŒberqueren musste; also GeflĂŒchtete im eigenen Land sind. Auch wenn internationale VertrĂ€ge wie die Allgemeine ErklĂ€rung der Menschenrechte und der Internationale Pakt ĂŒber bĂŒrgerliche und politische Rechte sowie nationale Rechtsprechungen allen BĂŒrger*innen das Recht auf Wahlbeteiligung als Menschenrecht zusprechen, so ist die internationale Praxis eine andere.

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Kundgebung fĂŒr das Wahlrecht von IDPs am 18. MĂ€rz 2017 in Lwiw. Foto SW.

Die ca. 1,7 Millionen BinnengeflĂŒchteten in der Ukraine erleiden ein Ă€hnliches Schicksal. Durch die Okkupation der Krim durch Russland und den bewaffneten Konflikt im Osten der Ukraine sind sie gezwungen ihre Heimat zu verlassen.  Weiterlesen

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Ich hĂ€tte mir eigentlich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um mit meinem Praktikum zu beginnen. Als Partnerorganisation des United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) muss KrimSOS natĂŒrlich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden Bericht erstatten und erhĂ€lt auch einen Kontrollbesuch. Und ich kam genau in einer solchen Berichtswoche in Lviv an. Die Aufregung meiner Kolleg*innen war groß und steckte mich schnell an und meine erste Aufgabe war beim Erstellen der Berichte zu helfen. Das hat mir ein ersten Überblick ĂŒber die Arbeit von KrimSOS verschafft, aber auch verdeutlicht, dass es einen großen Unterschied macht, ab man abstrakt ĂŒber GeflĂŒchtete aus der Ostukraine und der Krim hört ode man mit den konkreten Zahlen konfrontiert wird. 

Dank einer relativ breiten Berichterstattung zum Ukrainekonflikt ist vielen das Problem von BinnengeflĂŒchteten (internally displaced people/IDPs) bewusst, der Umfang jedoch weniger. Weiterlesen

Warum ein Praktikum in der Ukraine?

Ich bin jetzt seit einigen Tagen in Lviv. Bevor ich aber anfange ĂŒber erste EindrĂŒcke und Erfahrungen zu schreiben, möchte ich mir kurz Zeit nehmen die Motivation hinter meinem Praktikum, aber auch einige Erwartungen zu formulieren. Wenn man Ukraine hört, dann hat man erst mal eine stereotype Vorstellung im Kopf, die bestimmt wird durch die eigene historische PrĂ€gung sowie dem Medienbild, das vorherrscht; Vorurteile sind vorprogrammiert. In GesprĂ€chen ĂŒber mein Vorhaben waren daher die Reaktionen durchmischt, einige wussten nicht, dass das Ukrainische eine eigene Sprache ist, andere haben mich vor ukrainischen Nationalist*innen gewarnt. Die Tatsache, dass einer der Hauptursachen fĂŒr eine Berichterstattung aus der Ukraine der Konflikt im Donbas und die russische Annexion der Krim ist, trĂ€gt natĂŒrlich seinen Teil dazu bei.

Auch meine eigene Auseinandersetzung mit der Ukraine kann auf die Ereignisse auf dem Euromaidan Weiterlesen